Gabelfedernwechsel Zephyr

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Hans-Dieter
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Gabelfedernwechsel Zephyr

#1

Beitrag von Hans-Dieter » Sonntag 21. September 2014, 12:25

Hallo Leute ,

bei Dino haben wir die Gabelfedern gewechselt und das haben wir festgehalten.

Zuerst ist eine gewisse Hardware für diese Arbeit in Form von Frontheber, Drehmomentschlüssel und Werkzeug notwendig.

Eine Hebebühne kann hilfreich sein, muss man aber nicht haben. Also rauf mit der Dicken auf die Bühne, den Kern Heber X4 in Position gebracht.
http://abload.de/img/aufderbhne0frqq.jpg

Die Angaben rechts links beziehen sich immer in Fahrtrichtung.

Zuerst nehmen wir die Bremssättel ab und hängen diese an Spanngummis so an den Lenker, damit die Stahlflex/ Bremsleitunen entlastet sind. Die Schrauben legt man natürlich passend am Motorrad ab oder nach Einbaulage sortiert in eine Schachtel. Dazu ist eine Ratsche mit 12er Nuss notwendig.

Nachdem man rechts die Achsklemung gelöst und mit einem 12er Inbus die Vorderradachse gelöste hat ( links lassen wir die Klemmung geschlossen so sparen wir uns das "Gegenhalten") ziehen wir die Achse nach rechts heraus.
Um das Vorderrad zu entnehmen winschen wir das Motorrad mit Hilfe des KernX 4 Hebers einfach soweit nach oben, dass wir das Rad nach vorne herausrollen können.
So kommt man auch bequem an die 4 , 12er Schrauben um das Schutzblech zu entfernen, auch kann in dieser Position ein ggf vorhandern Kern Gabestabi demontiert werden.
http://abload.de/img/vorbereitunggabelfede2hrui.jpg

Mit Hilfe eines 6er Inbus lösen wir die Gabelklemmungen und lassen das Gabelbein etwas herab und ziehen die Klemmung dann nur "Handfest" wieder an um die Gabelverschlußstopfen lösen zu können. Dazu benötigen wir ein 27er Nuss. Ist das Gabelbein ausgebaut hat man keine Handhabe mehr um den stopfen zu lösen.
http://abload.de/img/ffnendesgabelstopfens64rvx.jpg

Wie gesagt lösen des Stopfen nicht ausdrehen. Das Gabelbein wird entnommen auf den Boden gestellt und man löst nun den Stopfen indem man mit seinem Körpergewicht Druck auf die Ratsche ausübt und den Stopfen löst. Man steht nie mit dem Körper direkt über federbelasteden Verschlüßen / Schrauben! Nachdem der Stopfen entfernt ist das Gabelöl in einen Behäter und er Entsorgung zuführen. Die Gabel mit Bremsenreiniger spülen mehrfach dazu das Standrohr ins Tauchrohr pumpen und dann ausgiebig austropfen lassen. Die Wartezeit kann man mit anderen Arbeiten, einem Kaffe oder Zigarette überbrücken.
http://abload.de/img/austropfendergabelbeiglpg5.jpg

Zum Befüllen des Gabelbeins mit neuem Öl, dasselbe in einen Schraubstock mit Schonbacken einspannen und senkrecht ausrichten. Eine Spritze mit einem Schlauch auf die entsprechende Luftkammer gekürzt (Abstand Unterboden Spritze zu Ende des Schlauchs) hilft einem die Luftkammer einzustellen. Dazu ist KEINE Feder eingebaut und das Standrohr (oben) ist in das Tauchrohr (unten)eingeschoben.
Jetzt das Entlüften des Gabelbeins.
Man füllt ca 500mml Liter Öl ein, eine Hand umschließt das Standrohr, mit der anderen flachen Hand dichtet man das Standrohr ab. Gleichzeitig zieht man das Standrohr nach oben. An der abdichtenden Hand spürt man nun ein Vakuum. Das ganze wiederholt man so um die 20 mal. Ein schöner "Workoput". Danach wird die Spritze oben auch das Standrohr gesetze und man zieht einfach das überschüssige Öl ab.
http://abload.de/img/abziehenderluftkammer1vofh.jpg

Jetzt kommt ein kniffliger Teil, wobei es hilft einen Helfer zu haben.

Gabel auseinanderziehen, Gabelfeder langsam einführen. Gabelstopfen ansetzen und mit dem Körpergewicht nach unten den Stopfen auf das Standrohr GERADE ansetzen ( Vorsicht auf das Gewinde) und andrehen. Wichtig ist hier, dass der Stopfen wirklich gerade angesetzt und das Feingewinde nicht beschädigt wird. Mit etwas Übung und einem Helfer,der das Gabelbein hält geht das recht gut. Alleine ist es auch möglich, aber mühsamer.

Hat man noch keinen genauen Plan vom Federungsverhalten/Wirkung der progressiven Federn/ Dämpfung empfiehlt es sich den Vorgaben des Federherstellers in Bezug auf Öl Viskosität und Luftkammer zu folgen. Bei den verwendeten Wilbersfedern zum Beispiel für die 11er Zephyr sind das Öl 7,5 mit 140 Luftkammer.
Möchte man die Gabel etwas straffer hat man die Möglichkeit dickers Öl zu verwenden( Gabel spricht zäher an) oder die Luftkammer zu veringern was zu einer höheren Dämpfung ( Luft läßt sich komprimieren, Öl nicht) führt.
Insgesamt tut sich hier eine schöne "Spielwiese" auf, für alle welche ihr Moped individuell nach ihren Wünschen einstellen wollen.

So und nun geht die Reise rückwärts weiter.
Gabelbein einführen bis zur unteren Klemung diese handfest anlegen. Den Gabelverschlußstopfen mit 23NM anziehen. Das Gabelbein soweit in die obere Brücke schieben, dass der Übergang Stopfen zum Standrohr gerade sichtbar ist. Im Moment nur die obere Brücke mit 20Nm anziehen, untere Klemung noch offen lassen, Rad einbauen, Bremssättel anbauen Befestigung mit 34 NM , Achse bei allen Zephyrmodellen vorne mit 88 NM anziehen. Beim Einbau auf den Sitz der Tachoschnecke achten. Motorrad abbocken, mehrfach durchfedern um Verspannungen zu lösen. Danach von unten nach oben Achsklemung (11er) 20nm und die untere Gabelbrücke (20NM) anziehen.
Fertig. Viel Spass mit einem neuen Fahrverhalten.

Noch ein Hinweis um Thema Gabelöl. Beim Motor sieht jeder ein, dass ein Ölwechsel sinnvoll und notwendig ist. Ich empfehle mal während der Fahrt mit einem Auge auf die Arbeit der Gabel zu schauen. Das Teil, wenn es richtig eingestellt ist, arbeitet permanent. Die Teflonbuchsen innerhalb der Gabel produzieren Abrieb und das Öl altert.
Auch hier ist ein regelmäßiger Service ca alle 15- 20 TKM sinnvoll um eine gut arbeitende und dämpfende Gabel zu haben. Wer seine alte Gabel nach 30 TKM und mehreren Jahren mal öffnet und einen tiefen Zug von dem Gschmäckle nimmt was ihm da entgegen strömt; wird mich dann sicher verstehen :lol: :mrgreen:

Die kompette Überholung einer Gabel; Austausch der Simmeringe und der Buchsen, das Zerlegen mittels eines Haltewerkzeues kommt im November. Da steht diese Arbeit an.
Viele Grüße
Hans-Dieter
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Re: Gabelfedernwechsel Zephyr

#2

Beitrag von Hans-Dieter » Sonntag 21. September 2014, 14:22

Hilfreicher Hinweis von Brad67 .
Danke Ingo für den Hineis!
Brad67 hat geschrieben:Wenn der Hauptständer vorhanden ist geht es auch ohne Frontheber wenn man einen kleineren Spanngurt hat. :wink:

Ich hatte mein Klaviermoped heute auf den Hauptständer gestellt und an einer Gepäcköse unter der Sitzbank den Spanngurt durchgezogen. Dann habe ich mir einen Verzurrpunk im Bodenbereich gesucht (war meine Hebebühne) und dann gespannt. Das Vorderrad hing so leicht in der Luft, und ich konnte das Vorderrad ausbauen. Mit etwas mehr oder weniger Zug auf dem Gurt kann man die Höhe vorne leicht variieren.

Durch den schrägen Zug kann man das Heck recht weit in die Federn ziehen und man bekommt so die Front schön hoch. 8)
Viele Grüße
Hans-Dieter
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